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4. Juli - Wehmut

Geblieben ist jetzt nur die kahle Wand,
an der hier mal die Oberlinger-Orgel stand.
Orgeln bereitete dem Kantor viel Pläsier;
für die nächste Zeit bleibt ihm nur das Klavier.
Zerlegt wurde sie und gut verhüllt
Bis sie wieder ihren Zweck erfüllt.
Gut zwei Jahre wird’s von nun an dauern,
die Orgel auf den Wiedereinsatz lauern.
Dies und das gilt’s zu ersetzen, restaurieren,
neu einzubauen, zu justieren oder reparieren;
Bis sie dann wieder schön gestimmt
als Königin der Instrumente neu erklingt.

Ein Kirchenraum ohne Orgel - für viele undenkbar. In der Lutherkirche in Rüsselsheim ist das derzeit leider nicht vermeidbar: Eine leere, schmutzige Kirchenrückwand ist geblieben. Mehr nicht. Mit dem Ausbau der Oberlinger-Orgel begann praktisch auch die geplante Neugestaltung des Gotteshauses.

Es war schon etwas besonderes, zu sehen und mit dabei zu sein wie die "Königin der Instrumente" in Ihre Einzelteile zerlegt und abtransportiert wurde. Ich war wirklich beeindruckt, aus wie vielen Einzelteilen solch eine Orgel besteht.

Und obwohl ich kein Musiker bin, kam bei mir eine wehmütige Stimmung auf, hatte ich doch die Orgel immer wieder gerne gehört. Aber sie wird ja nicht verloren gehen, sondern hoffentlich in ca. zwei Jahren (nach dem Umbau) neu erklingen. 

Ich zitiere die Arbeiter der Orgelabbaufirma: „Selten haben wir so eine Gemeinde angetroffen, wo so tatkräftig mit so vielen Leuten geholfen wurde und wo eine so gute Atmosphäre herrscht!“

Nach meiner Liste haben mindestens 26 Personen bei den Arbeiten mitgeholfen, Ihnen allen sei an dieser Stelle schon mal ein ganz, ganz ganz großes DANKESCHÖN ausgesprochen, aber zwei Personen möchte ich doch namentlich erwähnen, ohne die ein geregelter Ablauf nie so möglich gewesen wäre.

Da ist zum Einen Dieter Körber, der nicht nur durch seine stattliche Erscheinung unübersehbar war, sondern vor allem durch seine Umsicht, Präsenz und seinen dauerhaften täglichen Einsatz eine große Stütze war. Ob die Kirche aufgeschlossen werden musste, ob Sachen fehlten, ob was transportiert werden musste - er war da!

Und zum Anderen Wolfgang Marcussen, der ebenfalls jeden Tag vor Ort war; immer wieder darauf geachtet hat, dass nichts kaputt geht, sich alle Helfer in Listen eintrugen oder Wache gehalten hat, wenn mal alles offen war.

Da hat sich doch wieder bestätigt, dass ohne die Ehrenamtlichen in unserer Gemeinde vieles nicht so engagiert gelebt werden würde.

Damit Sie einen Eindruck erhalten konnten, habe ich Sie in den vergangenen Tagen versucht immer auf dem Laufenden zu halten. Damit ist jetzt erst mal Schluss. Sobald eine neue Phase ansteht, werde ich mich hier wieder melden.

Wenn Ihnen meine Berichterstattung gefallen hat, sie Anregungen für die Zukunft haben oder einfach nur ihren Unmut oder Dank los werden wollen: Schreiben sie mir!

4. Juli - Lagerort

Über den Lagerort sei Ihnen nur soviel gesagt: Die Baupläne und Fotos der Anlage unterliegen der Geheimhaltung. Der Zutritt für Besucher ist nicht gestattet.

Unser Sicherheitskonzept stützt sich auf vier Komponenten:

  • massive Bauweise aus Ziegeln, Kalksandstein und Stalhbeton
  • geschützte Lage im Stadtinneren
  • hochmoderne Überwachungselektronik
  • Nähe zur Polizeistation mit den meisten Polizisten im Kreis Groß-Gerau.

Die zum Öffnen der Türen erforderlichen Transponder-Codes weiß kein einzelner Mensch komplett. Stattdessen muss eine nicht bekannte Anzahl Mitarbeiter unabhängig voneinander diverse Transponder benutzen, um die Tür zu öffnen.

3. Juli - Letzte Fuhre

In vielen Weinorten Frankens und Südtirols symbolisiert die „letzte Fuhre“ das Ende der Weinlese. Mit festlich geschmückten Wagen ziehen die Winzer dann ins Dorf und oft werden die letzten Trauben in einem Bottich vor den Augen der Zuschauer gepresst.

Die „letzte Fuhre“ bei Luther erfolgte eher mit einer gewissen Gedrückheit, denn jetzt ist sie „eingemottet“ unsere Oberlinger-Orgel. Keiner stand Spalier oder wollte zuschauen und das Fahrzeug war nicht geschmückt.

Eindrücke des heutigen „letzten Abbautages“ wie immer in der Bildergalerie auf dieser Seite.

Ach ja: Seien Sie gespannt auf Morgen - ich melde mich dann vorerst ein letztes Mal.

2. Juli - Stau

Stau ist nicht nur ein stark stockender oder zum Stillstand gekommener Verkehrsfluss auf einer Straße, sondern auch ein Stuttgarter Tatort aus dem Jahr 2017.

Heute kam es auch vor der Lutherkirche zum Stau. Die Träger der hölzernen Pfeifen wollten diese im Anhänger ablegen. Aber, die Nachfrage nach dem Raum im Anhänger ist größer als das Raumangebot, oder aber die Ladepersonen arbeiten zu langsam und es kommt dadurch zur Staubildung sozusagen aus dem Nichts(-tun).

Doch egal, solange man der erste im Stau ist, ist das gar nicht so schlimm; da kann man auch ruhig mal retro sein.

Weitere Eindrücke des heutigen Tages finden Sie wie immer in der Bildergalerie.

29. Juni - Freitag

Der Freitag ist gemäß der Europäischen Norm und dem internationalen Standard nicht nur der fünfte Tag der Woche oder der Gefährte von Robinson Crusoe, sondern heute auch ein „frei“ Tag.

Nicht nur die Wand, vor der die Orgel stand ist jetzt frei, nein auch getreu dem Motto: „Freitag nach eins macht jeder seins“ wurde heute in der Lutherkirche der frühe Feierabend am letzten Arbeitstag der Woche eingeläutet. Nur der „Hüter des Grals“ wurde zurück gelassen.

Heute gibt es nicht so viel in der Bildergalerie auf dieser Seite zu sehen, aber ich darf Sie wieder einmal auf einem Presseartikel aufmerksam machen - hier gehts es zur Mainspitze.

So verabschiede ich mich heute mit dem Wahlkampfschlager von Präsident Roosevelt aus dem Jahr 1932 (und inzwischen der inoffiziellen Parteihymne der Demokratischen Partei): Happy Days Are Here Again - oder auf Deutsch: Wochenend und Sonnenschein bis zur nächsten Woche.

28. Juni - Der Tag danach

The Day After ist nicht nur ein US-amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 1983 sondern jetzt auch der Tag nach der historischen Niederlage. Nach der Schmach von Cordoba vor 30 Jahren, reagiert Deutschland auf die neuerliche unerwartete Niederlage bei der Fussball-WM mit einer Mischung aus Unglauben, Enttäuschung und Entsetzen.

Bei Luther ist der Tag danach, eher der Tag, an dem die letzten Teile der Oberlinger-Orgel ihren ursprünglichen Standort in der Lutherkirche verlassen haben. In den nächsten Tagen werden sie noch an ihren künftigen (vorübergehenden) Aufenthaltsort gebracht

Wir halten es hier eher mit Konfuzius: „Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.“ - Und mit der Orgel fangen wir hier an.

Wie immer finden Sie die heutigen Eindrücke in der Bildergalerie auf dieser Seite.

27. Juni - Sicherheitssandale

Sicherheitsschuhe sind Halbschuhe und Stiefel, die als Schutzkleidung von der Berufsgenossenschaft nicht nur beispielsweise im Handwerk oder Bauwesen vorgeschrieben sind, nein: sogar Köche müssen sie tragen. Sie sind im vorderen Teil des Schuhs mit einer Schutzkappe aus Metall oder Kunststoff zum Schutz der Zehen ausgestattet.

Im Gegensatz dazu steht die Sandale, die sich auf eine mit Riemen am Fuß befestigte Sohle beschränkt. Sie ist durch große Luftigkeit und (meist) Leichtigkeit gekennzeichnet. 

Beim Orgelabbau kommt es nun zum Einsatz der neu entwickelten „Sicherheitssandale“; wenn gleich hier noch Entwicklungsbedarf besteht.

Eindrücke vom heutigen Tag finden Sie wie immer auf dieser Seite in der Bildergalerie.

Heute möchte ich Sie noch auf einen Presseartikel zum Orgelabbau aufmerksam machen - hier gelangen Sie zum Rüsselsheimer Echo.

26. Juni - Fingerkuppenverband

Das Pflaster muss immer ausreichend groß sein – der Mullteil größer als die Wunde, aber auch der Klebeteil muss genügend Haftung bieten. Das klassische Heftpflaster am Stück scheint am Besten geeignet, das kann man in die Form schnippeln und schlitzen, wie man es braucht. 

So ähnlich war das heute auch beim Schutz der Pfeifenspitze vor dem anstehenden Transport. Luftpolsterfolie wurde zurecht geschnitten um die Spitze gelegt, geschlitzt, gehalten und schließlich verklebt.

Es geht mit großen Schritten voran - einige Eindrücke vom heutigen Tag finden Sie in der Bildergalerie auf dieser Seite.

25. Juni - Zwischenlager?

Wenn Brennelemente keinen Nutzen mehr für die Energieerzeugung in Kernkraftwerken haben, werden sie aus dem Reaktor entladen und in ein Zwischenlager gebracht.

So verhält es sich heute mit den Orgelpfeifen in der Lutherkirche. Sie haben aktuell keinen Nutzen mehr für die Tonerzeugung in der Orgel, so wurden sie entfernt und zunächst zwischengelagert.

Bereits am Ende des heutigen Arbeitstages war die ursprüngliche Orgel kaum noch wieder zuerkennen. Viele Teile waren - auch Dank der ehrenamtlichen Helfer - bereits demontiert. 

Einige Eindrücke finden Sie in der Bildergalerie auf dieser Seite.

24. Juni - Ein Schatten liegt über der Orgel

Es liegen schon dunkle Schatten über der Orgel; heute erklang sie zum letzten Mal in dieser Form an diesem Ort. Morgen beginnt der Abbau.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die zahlreichen Orgelpaten und Gäste Gelegenheit, bei herzhaften Häppchen der Bäckerei Hofferberth und einem Gläschen Sekt, noch einmal den Klängen der Orgel zu lauschen.

Nachdem Pfarrer Gerisch die Gäste stellvertretend für die Vorsitzende des Fördervereins herzlich willkommen geheißen hatte, erläuterte er noch einmal wie eine Orgelpatenschaft übernommen werden kann.

Im Anschluss spielte Kantor M. Schlotz den ein oder anderen Ton der Paten gerne an und gab dazu natürlich noch weitere Erklärungen.

Abbau steht kurz bevor

Am Montag, 25.06.2018 geht es los. Fachleute der Orgelbaufirma beginnen damit die Oberlinger-Orgel fachgerecht abzubauen.

Hier auf dieser Seite können Sie den Fortgang der Arbeiten täglich mitverfolgen. Die Seite wird immer spät abends aktualisiert.

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